Selbstgemachtes verkaufen: alle Vertriebswege im Überblick

Du möchtest Selbstgemachtes verkaufen? Dafür gibt es weit mehr Wege als nur Etsy. Online-Marktplätze, dein eigener Shop, Social Media, Großhandel an Läden und sogar das Selbstbedienungshäuschen am Straßenrand – jeder Kanal hat eigene Stärken, Kosten und Regeln. Dieser Überblick zeigt dir alle Vertriebswege für dein Handmade-Business, was sie kosten, für wen sie passen und was du rechtlich beachten musst.

Wo kann ich Selbstgemachtes verkaufen? Es gibt fünf Hauptwege: Online-Marktplätze (Handmade-spezialisiert wie Etsy und Kasuwa oder Generalisten wie Amazon Handmade und eBay), dein eigener Onlineshop, Social Commerce (Instagram, Pinterest, TikTok Shop), Großhandel an Einzelhändler (Faire, Ankorstore) und der Offline-Verkauf (Märkte, Kommission, Selbstbedienungshäuschen). Für den Einstieg ist ein Handmade-Marktplatz meist am einfachsten, weil dort schon Käuferinnen nach handgemachten Produkten suchen. Sobald du regelmäßig mit Gewinnabsicht verkaufst, brauchst du in Deutschland ein Gewerbe – unabhängig vom Kanal.

Zuletzt aktualisiert: Juni 2026

Bevor du Plattformen vergleichst, lohnt ein ehrlicher Blick auf den Marktführer: Ist Etsy seriös? Was du als Verkäuferin über Risiken, Sperren und Schutz wissen musst.

Wer das schreibt: Dagmar Kinter, Gründerin von Kassenklingeln, mit BWL-Hintergrund und über zwölf Jahren im E-Commerce. Mit meinem eigenen Label tjuub verkaufe ich selbst auf mehreren Marktplätzen und im eigenen Shop. Die Einschätzungen hier kommen aus der Praxis – jeder genannte Kanal ist getestet oder belegt.

Die Vertriebswege für Handmade auf einen Blick

  • Handmade-Marktplätze – spezialisiert auf Selbstgemachtes, Vintage und Künstlerbedarf. Hier suchen Käuferinnen gezielt nach handgemachten Produkten: Etsy und Kasuwa.
  • Generalisten & offene Marktplätze – riesige Reichweite, viel Wettbewerb: Amazon Handmade, eBay, Kaufland, OTTO.
  • Eigener Onlineshop – volle Kontrolle über Marke, Daten und Marge, aber du baust die Reichweite selbst auf.
  • Social Commerce – direkt aus Reichweite verkaufen: Instagram- und Facebook-Shops, Pinterest, TikTok Shop.
  • Großhandel – deine Produkte an Einzelhändler verkaufen, höhere Stückzahlen: Faire, Ankorstore.
  • Offline – Märkte, Kommission in Läden und Selbstbedienungshäuschen.

Du musst dich nicht für einen Weg entscheiden. Viele Labels verkaufen parallel auf mehreren Kanälen. Mit meinem eigenen Label tjuub nutze ich mehrere Marktplätze und einen eigenen Shop – nicht alle Eier in einen Korb. Starte aber mit einem Kanal, den du beherrschst.

Brauche ich ein Gewerbe, um Selbstgemachtes zu verkaufen?

Das ist die häufigste Frage – und die Antwort ist eindeutig: Sobald du regelmäßig und mit Gewinnabsicht verkaufst, bist du in Deutschland unternehmerisch tätig und musst ein Gewerbe anmelden. Das gilt für jeden Kanal – ob Etsy, eBay, eigener Shop oder Selbstbedienungshäuschen. Einen dauerhaften „privaten“ Verkauf von Selbstgemachtem gibt es rechtlich nicht – wer das umgeht, riskiert Abmahnungen und Steuernachzahlungen.

Die Gewerbeanmeldung selbst ist günstig (meist 20–60 € beim Gewerbeamt) und in einer halben Stunde erledigt. Zwei Begriffe solltest du auseinanderhalten:

  • Gewerbe – die Anmeldung beim Gewerbeamt, gesetzlich vorgeschrieben bei selbstständiger, regelmäßiger Tätigkeit mit Gewinnabsicht (§ 14 Gewerbeordnung).
  • Kleinunternehmerregelung – ein Umsatzsteuer-Status (§ 19 UStG): bleibst du unter den Grenzen, weist du keine Umsatzsteuer aus. Du hast trotzdem ein Gewerbe. „Kleinunternehmerin“ heißt also nicht „kein Gewerbe“.

Wie die Anmeldung Schritt für Schritt läuft, ab wann du Umsatzsteuer abführst und was die Kleinunternehmerregelung wirklich bedeutet, liest du im ausführlichen Leitfaden: Etsy-Gewerbe anmelden – brauchst du eins und wie geht es?

Handmade-Marktplätze: spezialisiert auf Selbstgemachtes

Etsy

Etsy ist der größte Online-Marktplatz für handgemachte Produkte, Vintage und Künstlerbedarf. Die Kommunikation zwischen Käuferin und Händlerin ist direkt und persönlich, du erzählst im eigenen Shop deine Geschichte. Deutschland ist für Etsy einer der wichtigsten Märkte außerhalb der USA.

Die Eröffnung eines Etsy-Shops ist kostenlos – keine Einrichtungs- und keine monatliche Grundgebühr. Gebühren fallen erst beim Einstellen und beim Verkauf an.

Kosten bei Etsy

  • Einrichtung: keine
  • Einstellgebühr: 0,20 USD pro Artikel (Euro-Betrag je nach Wechselkurs)
  • Transaktionsgebühr: 6,5 % auf Artikelpreis und Versand
  • Zahlungsabwicklung (DE): 4 % + 0,30 € pro Verkauf
  • Optional: Offsite-Ads (12 % oder 15 %), Etsy Ads, Etsy Plus

Eine vollständige Aufschlüsselung mit Rechenbeispiel findest du unter Etsy-Gebühren im Überblick.

Meine Erfahrungen mit Etsy

Wir verkaufen seit Herbst 2018 aktiv auf Etsy. Nach einem langsamen Start ist Etsy heute eine sehr große Umsatzquelle für uns. Das Backend ist übersichtlich, die Verkäufer-App erlaubt schnelle Änderungen unterwegs. Etsy lässt viel Freiheit bei Bildern und Texten, und mit guter Suchmaschinenoptimierung (SEO) erreichst du ein gutes Ranking. Zwei Nachteile sind ehrlich zu nennen: Der Support ist dünn, und die Gebührenabrechnung ist unübersichtlich. Neue Verkäuferinnen müssen einen Ausweis hinterlegen, und Etsy behält anfangs eine Zahlungsreserve ein.

Kasuwa und kleinere deutsche Handmade-Marktplätze

Neben Etsy gibt es deutschsprachige Handmade-Marktplätze. Der etablierteste ist Kasuwa (kasuwa.de) – Marktplatz für Handgemachtes, digitale Produkte, Vintage und Material. Kostenlose Shop-Eröffnung, keine Einstell- oder Grundgebühr und kein Abo – es fallen nur 8 % Provision auf tatsächliche Verkäufe an (abgerechnet 14 Tage nach Abschluss, monatlich ab 100 € Umsatz). Daneben existieren weitere kleinere Marktplätze, deren Qualität und Verlässlichkeit aber stark schwankt. Die deutsche Handmade-Marktplatz-Landschaft ist schnelllebig: DaWanda, Palundu und Makerist haben dichtgemacht, andere kämpfen mit Fake-Bestellungen oder schwachem Support. Prüfe vor dem Start, ob eine Plattform noch aktiv Verkäuferinnen aufnimmt – und lies aktuelle Verkäufer-Bewertungen, bevor du dich an ein Abo bindest.

Generalisten & offene Marktplätze

Amazon Handmade

Amazon ist der größte Onlinehändler der Welt. Für handgefertigte Produkte gibt es einen eigenen Bereich: Amazon Handmade – mit enormer Reichweite und vereinfachter Gebührenstruktur. Einrichtung und Einstellen sind kostenlos, die Verkaufsgebühr beträgt 12 % auf Artikelpreis und Versand (mindestens 0,30 € pro Artikel, Zahlungsabwicklung inklusive). Die monatliche Verkäufergebühr von rund 39 € entfällt für Handmade-Verkäuferinnen.

Aus Erfahrung: Wir verkaufen seit 2017 auf Amazon Handmade. Das Backend ist unübersichtlich, und die Kundschaft ist den Amazon-Standard gewohnt – schneller Versand, kostenlose Retouren. Unsere Retourenquote ist dort deutlich höher als auf anderen Kanälen, und im Ranking konkurrierst du mit professionellen Sellern.

eBay

eBay ist ein großer Marktplatz mit Festpreisformat. Private Angebote sind auf eBay.de seit 2023 provisionsfrei. Aber: Wer regelmäßig Selbstgemachtes mit Gewinnabsicht verkauft, gilt als gewerblich – dann greifen die gewerblichen Gebühren: eine kategorieabhängige Verkaufsprovision (eBay hat 2026 umgebaut, je nach Kategorie rund 7–14 %) plus eine feste Gebühr pro Bestellung (0,35 € bis 10 € Bestellwert, darüber 0,45 €). Optional gibt es kostenpflichtige Shop-Abos. Prüfe die aktuellen Sätze vor dem Start (Quellen am Artikelende).

Kaufland und OTTO – offene Marktplätze für skalierbare Ware

Kaufland und OTTO öffnen ihre Marktplätze für externe Händlerinnen. Beide bringen viel Reichweite, sind aber auf skalierbare Handelsware ausgerichtet, nicht auf Unikate:

  • Kaufland Marketplace – verlangt Gewerbeschein, USt-ID und für jedes Produkt einen offiziellen EAN/GTIN-Barcode (selbst erstellte Codes werden nicht akzeptiert). Grundgebühr ab 39,95 €/Monat plus 7–15 % Provision je Kategorie. Für echte Einzelstücke ohne Barcode also kaum praktikabel.
  • OTTO Market – nur nach Bewerbung und Prüfung (deutscher Firmensitz, USt-ID, Lager in DE/EU). Grundgebühr 99,90 € netto/Monat plus 5–22 % Provision und Zahlungsgebühr. Lohnt sich erst bei höheren Stückzahlen.

Für nachhaltige Labels gibt es zusätzlich Avocadostore, einen kuratierten Marktplatz für Eco- und Green-Lifestyle-Produkte – mit Bewerbung nach zehn Nachhaltigkeitskriterien und vergleichsweise hohen Gebühren (einmalig 249 €, 39,95 €/Monat, 17 % Provision plus Zahlungsgebühr).

Eigener Onlineshop

Ein eigener Shop gibt dir volle Kontrolle über Marke, Daten und Margen – keine Marktplatz-Provision. Dafür musst du die Reichweite selbst aufbauen: SEO, Social Media, Newsletter. Einsteigerfreundliche Baukästen sind Shopify, Jimdo oder IONOS; wer mehr Flexibilität will, nimmt WooCommerce (WordPress) oder Shopware. Für viele lohnt sich die Kombination: auf dem Marktplatz gefunden werden, im eigenen Shop die Stammkundschaft halten. Eine Abwägung findest du unter Etsy oder eigener Shop?

Social Commerce: aus Reichweite Verkäufe machen

Wenn du auf Social Media schon eine Community hast, kannst du direkt dort verkaufen. Über Instagram- und Facebook-Shops markierst du Produkte in Posts und Reels und verlinkst sie zum Kauf. Pinterest eignet sich, weil dort gezielt nach Ideen und Produkten gesucht wird. TikTok Shop ist seit dem 27. März 2025 offiziell in Deutschland verfügbar und erlaubt den Kauf direkt in der App. Social Commerce ersetzt selten den Hauptkanal, ist aber ein starker Zusatz – vor allem, wenn deine Produkte sich gut zeigen lassen.

Großhandel: an Einzelhändler verkaufen

Wenn du in größeren Stückzahlen produzieren kannst, lohnt der Großhandel (B2B): Du verkaufst deine Produkte an Boutiquen und Läden, die sie weiterverkaufen. Spezialisierte Plattformen vermitteln das:

  • Ankorstore – europäischer Großhandels-Marktplatz, keine Fixkosten; die Plattform nimmt 20 % der ersten Bestellung eines Händlers und 10 % der Folgebestellungen, übernimmt Zahlungsrisiko und erstattet Versandkosten.
  • Faire – internationaler Wholesale-Marktplatz, rund 15 % Provision plus einmalige Gebühr; Erstbestellungen sind für die Läden risikofrei (Rückgabe möglich).

Großhandel heißt niedrigere Stückpreise, dafür planbare Mengen und weniger Endkunden-Aufwand. Kalkuliere deine Preise so, dass auch der Großhandelsrabatt noch Marge lässt.

Offline verkaufen: Märkte, Kommission und Selbstbedienung

Nicht jeder Verkauf läuft online. Drei bewährte Offline-Wege:

  • Märkte – Kunsthandwerker-, Design- und Weihnachtsmärkte bringen direkten Kontakt und Feedback. Du zahlst Standgebühr und investierst Zeit, lernst aber deine Kundschaft kennen.
  • Kommission – du gibst Ware an Boutiquen oder Concept Stores, die einen Anteil pro Verkauf behalten. Kein Risiko für den Laden, planbare Sichtbarkeit für dich.
  • Selbstbedienungshäuschen und -schränke – unbemannte Verkaufsstände mit Vertrauenskasse, beliebt für Deko, Geschenke und Selbstgemachtes (siehe unten).

Auf dem Weihnachtsmarkt und Kunsthandwerkermarkt verkaufen

Saisonmärkte – allen voran der Weihnachtsmarkt – sind für viele Handmade-Labels der umsatzstärkste Offline-Kanal des Jahres. Du brauchst einen Standplatz (oft mit Bewerbung Monate im Voraus), zahlst Standgebühr und ein Reisegewerbe oder eine Marktfestsetzung kann nötig sein. Plane Wechselgeld, ein mobiles Kartenzahlungsgerät und genug Bestand ein. Aus eigener Erfahrung mit tjuub: Märkte bringen direktes Kundenfeedback und Stammkundschaft, kosten aber ganze Tage – rechne den Zeitaufwand ehrlich in deine Preise ein. Wer auf dem Weihnachtsmarkt verkauft, sollte Lebensmittel- und Brandschutzauflagen vorher mit dem Veranstalter klären.

Selbstbedienungshäuschen: was du rechtlich beachten musst

Das Selbstbedienungshäuschen am Straßenrand oder der Verkaufsschrank vor der Tür ist ein wachsender Kanal für DIY- und Handmade-Produkte. Charmant, regional, rund um die Uhr offen – aber kein rechtsfreier Raum. Das solltest du klären, bevor du loslegst:

  • Baurecht – ein reiner Verkaufsschrank gilt meist als Möbelstück und ist genehmigungsfrei. Ein Häuschen in Gartenhaus-Größe braucht ab einer bestimmten Größe eine Baugenehmigung. Die Regeln unterscheiden sich je Bundesland und Gemeinde – frag beim Bauamt nach.
  • Standort – auf dem eigenen Grundstück meist unkompliziert. Für öffentliche Flächen brauchst du die Genehmigung der Gemeinde.
  • Gewerbe – gilt genauso wie online: regelmäßiger Verkauf mit Gewinnabsicht ist gewerblich.
  • Verpackungslizenz – sobald du Verpackungen an Endkundinnen abgibst (Tüte, Karton), bist du im Verpackungsregister LUCID lizenzpflichtig – auch ohne Versand.
  • Lebensmittel – bei Marmelade, Honig oder Gebäck kommen Hygiene- und Kennzeichnungspflichten dazu (Lebensmittelinformations-Verordnung, Kühlung).
  • AGB und Kennzeichnung – auch der Selbstbedienungsverkauf braucht Preisauszeichnung, Anbieterkennzeichnung und passende AGB.

Digitale Produkte verkaufen – was anders ist

Digitale Produkte – Druckvorlagen, Plotterdateien, Schnittmuster, E-Books, Kurse – sind ein eigener Vertriebsweg mit großem Reiz: kein Versand, kein Lager, ein Produkt unbegrenzt verkaufbar. Der Haken liegt nicht in der Auslieferung, sondern in der Umsatzsteuer.

Wo du digitale Produkte verkaufst

  • Etsy – stark für Printables, Templates, Plotter- und Stickdateien. Sofort-Download, gleiche Gebühren wie bei physischen Produkten.
  • Eigener Shop mit Tools wie Gumroad oder Payhip – einfaches Setup, geringe Gebühren, du verkaufst direkt an die Kundin.
  • Reseller-Plattformen wie elopage, Digistore24 oder ablefy – sie treten gegenüber der Endkundin selbst als Verkäufer auf und übernehmen die komplette Umsatzsteuer inklusive Auslandsregeln. Das kostet Marge (meist 7–10 %), nimmt dir aber das Steuerthema ab.

Der steuerliche Sonderfall

Bei digitalen Leistungen gilt: Der Ort der Leistung ist dort, wo die Kundin sitzt (§ 3a UStG). Daraus folgen drei Punkte, die du kennen solltest:

  • Reverse Charge bei Etsy – verkaufst du digitale Produkte über Etsy, behandelt Etsy das als Reverse Charge (vereinfacht: Etsy übernimmt die Umsatzsteuer für die Endkundin). Für dich heißt das eine andere Behandlung als beim physischen Verkauf (§ 13b UStG).
  • OSS ab 10.000 € EU-Umsatz – verkaufst du selbst (eigener Shop) digitale Produkte an Privatkundinnen in anderen EU-Ländern, greift ab 10.000 € Jahresumsatz das One-Stop-Shop-Verfahren: Du meldest die ausländische Umsatzsteuer zentral über das Bundeszentralamt für Steuern (§ 18j UStG).
  • Reseller nehmen dir das ab – elopage, Digistore24 und ablefy übernehmen als Verkäufer die ganze Umsatzsteuer inklusive OSS. Genau dafür zahlst du die höhere Marge.

Ich bin keine Steuerberaterin – die konkrete Behandlung besprichst du im Zweifel mit deinem Steuerbüro. Auch ohne Steuerbüro machbar ist es, wenn du die Grundlagen sauber aufsetzt: Der Leitfaden zu Buchhaltung und Steuern auf Etsy erklärt die Basics GoBD-konform – also so, dass das Finanzamt deine Belege akzeptiert. Speziell zum digitalen Verkauf auf Etsy: Digitale Produkte auf Etsy verkaufen.

Unsicher, welcher Kanal zu dir passt? Hol dir die kostenlose Checkliste „Welcher Verkaufskanal passt zu meinem Handmade-Business?“ – die wichtigsten Fragen zu Gebühren, Zielgruppe, Aufwand und Steuer auf einer Seite. Jetzt kostenlos sichern – gegen deine E-Mail, jederzeit abbestellbar.

Worauf du bei der Wahl achten solltest

Bevor du dich festlegst, prüfe vier Punkte – sie entscheiden, ob am Ende etwas übrig bleibt:

  • Gebühren und Marge – nicht nur der Prozentsatz zählt. Rechne mit echten Zahlen, inklusive Versand und Zahlungsabwicklung, ob dein Preis die Provision trägt.
  • Zielgruppe und Reichweite – sind die Käuferinnen dort, die genau dein Produkt suchen? Viel Reichweite mit der falschen Zielgruppe bringt nichts.
  • Aufwand und Pflege – jeder Kanal braucht eigene Bilder, Texte und Pflege. Mehr Kanäle heißt mehr Arbeit.
  • Buchhaltung und Schnittstellen – jeder Marktplatz liefert seine Umsätze anders. Wer auf mehreren Kanälen verkauft, braucht eine saubere Buchhaltung, sonst wird die Steuer zum Albtraum. Wie du deine Etsy-Umsätze GoBD-konform in den Griff bekommst, liest du im Leitfaden zu Buchhaltung und Steuern auf Etsy.

Welche Plattform passt zu dir?

Es gibt nicht die eine richtige Plattform – es gibt die richtige für dein Produkt, deine Zielgruppe und deine Zeit. Als grobe Orientierung:

  • Du startest neu mit Handmade? Ein Handmade-Marktplatz wie Etsy bringt dich am schnellsten vor die passende Käuferschaft.
  • Du willst maximale Reichweite und kommst mit Wettbewerb und Retouren klar? Amazon Handmade oder eBay.
  • Du produzierst in Stückzahl? Großhandel über Faire oder Ankorstore.
  • Du hast schon eine Marke und Reichweite? Ein eigener Shop sichert dir Marge und Daten.
KanalTypGebühr (grob)Gut für
EtsyHandmade-Marktplatz6,5 % + 4 % + 0,30 €Handmade-Einstieg, Reichweite
Amazon HandmadeGeneralist12 % (min. 0,30 €)maximale Reichweite
eBay (gewerblich)Generalistca. 7–14 % + 0,35/0,45 €breites Sortiment
KasuwaHandmade-Marktplatz (DE)keine Grundgebühr, 8 % Provisiondeutschsprachige Nische
Kaufland / OTTOoffener Marktplatz39,95–99,90 €/Mon + 5–22 %skalierbare Handelsware (kein Unikat)
Faire / AnkorstoreGroßhandel (B2B)10–20 % ProvisionVerkauf an Läden, Stückzahl
Eigener Onlineshopeigene Plattformkeine Provision, FixkostenMarke, Marge, Stammkundschaft
Vergleich: Selbstgemachtes verkaufen auf Etsy, Amazon Handmade, eBay, Kasuwa und eigenem Shop – Gebühren und Eignung

Was lässt sich selbstgemacht gut verkaufen?

Gut verkaufen sich Produkte mit klarer Zielgruppe und einem Grund, sie nicht von der Stange zu kaufen: Schmuck, Keramik, Kerzen, Naturkosmetik, Papeterie und Karten, Deko, Textilien und Strickwaren, personalisierte Geschenke sowie digitale Produkte wie Vorlagen und Druckdateien. Entscheidend ist weniger das „Was“ als das „Für wen“ – ein scharf umrissenes Sortiment verkauft sich besser als ein Bauchladen. Bei Lebensmitteln, Kosmetik und Kinderartikeln gelten zusätzliche Vorschriften (Kennzeichnung, Hygiene, Sicherheit) – informiere dich vor dem Verkauf.

Lebensmittel, Marmelade und Kosmetik: besondere Vorschriften

Selbstgemachte Lebensmittel und Kosmetik darfst du verkaufen, aber nicht ohne Auflagen. Wer Marmelade, Honig, Gebäck oder Pralinen verkauft, muss die Lebensmittelhygiene (Registrierung beim Lebensmittelüberwachungsamt) und die Kennzeichnungspflichten der Lebensmittelinformations-Verordnung (LMIV) erfüllen: Zutaten, Allergene, Füllmenge, Mindesthaltbarkeit, Hersteller. Bei selbstgemachter Kosmetik gilt die EU-Kosmetikverordnung – Sicherheitsbewertung, CPNP-Meldung und Verantwortliche Person sind Pflicht, die Hürde ist hoch. Kinderartikel und Spielzeug brauchen die CE-Kennzeichnung. Kläre diese Punkte, bevor du das erste Glas oder die erste Seife verkaufst – unabhängig davon, ob online, auf dem Markt oder im Selbstbedienungshäuschen.

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In unserem E-Book „Online-Marktplätze – ein Überblick“ findest du 15 Marktplätze mit Konditionen, Leistungen und Fakten verständlich aufbereitet – inklusive Kasuwa und mehr. Wir zeigen dir, auf welche Kriterien du achten solltest und welche Plattform Schnittstellen zu Tools wie Billbee oder der IT-Recht-Kanzlei bietet. So fällt dir die Entscheidung leichter und du sparst dir viel Recherche.

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Häufige Fragen zum Verkauf von Selbstgemachtem

Wo kann ich Selbstgemachtes verkaufen?

Auf Handmade-Marktplätzen (Etsy, Kasuwa), bei Generalisten und offenen Marktplätzen (Amazon Handmade, eBay, Kaufland, OTTO), im eigenen Onlineshop, über Social Commerce (Instagram, Pinterest, TikTok Shop), im Großhandel an Läden (Faire, Ankorstore) oder offline auf Märkten, in Kommission und über Selbstbedienungshäuschen. Für den Einstieg ist ein Handmade-Marktplatz meist am einfachsten.

Darf ich Selbstgemachtes ohne Gewerbe verkaufen?

Nur einmalig oder gelegentlich, ohne Gewinnabsicht. Sobald du regelmäßig mit dem Ziel verkaufst, Geld zu verdienen, bist du in Deutschland unternehmerisch tätig und musst ein Gewerbe anmelden. Einen dauerhaften privaten Verkauf von Selbstgemachtem gibt es rechtlich nicht.

Was kostet die Gewerbeanmeldung?

Meist zwischen 20 und 60 € beim Gewerbeamt deiner Stadt. Bleibst du unter den Umsatzgrenzen der Kleinunternehmerregelung (§ 19 UStG), weist du keine Umsatzsteuer aus – ein Gewerbe brauchst du trotzdem.

Kann ich Handmade bei Kaufland oder OTTO verkaufen?

Technisch ja, praktisch selten sinnvoll. Kaufland verlangt für jedes Produkt einen offiziellen EAN/GTIN-Barcode, den Unikate in der Regel nicht haben. OTTO nimmt nur nach Bewerbung und Prüfung auf und hat eine hohe monatliche Grundgebühr. Beide Marktplätze sind auf skalierbare Handelsware ausgelegt, nicht auf handgemachte Einzelstücke.

Darf ich ein Selbstbedienungshäuschen für meine Produkte aufstellen?

Ja, ein Verkaufsschrank gilt meist als Möbelstück und ist genehmigungsfrei; ein größeres Häuschen kann eine Baugenehmigung brauchen. Auf öffentlichen Flächen brauchst du die Erlaubnis der Gemeinde. Ein Gewerbe ist nötig, eine Verpackungslizenz (LUCID) ebenfalls, sobald du Verpackungen abgibst. Bei Lebensmitteln kommen Hygiene- und Kennzeichnungspflichten dazu. Die Details unterscheiden sich je Gemeinde – frag vorher beim Bauamt nach.

Darf ich selbstgemachte Lebensmittel oder Marmelade verkaufen?

Ja, aber mit Auflagen. Bei Marmelade, Honig oder Gebäck gelten Lebensmittelhygiene (Registrierung beim Lebensmittelüberwachungsamt) und Kennzeichnungspflichten nach der Lebensmittelinformations-Verordnung (LMIV): Zutaten, Allergene, Mindesthaltbarkeit und Hersteller. Selbstgemachte Kosmetik unterliegt der strengen EU-Kosmetikverordnung mit Sicherheitsbewertung und CPNP-Meldung. Kläre die Auflagen vor dem ersten Verkauf.

Wie verkaufe ich digitale Produkte und was gilt steuerlich?

Digitale Produkte verkaufst du über Etsy (Printables, Vorlagen), einen eigenen Shop mit Gumroad oder Payhip oder über Reseller-Plattformen wie elopage, Digistore24 und ablefy. Steuerlich gilt der Ort der Kundin (§ 3a UStG): Bei Etsy greift Reverse Charge, beim Eigenverkauf an EU-Privatkundinnen ab 10.000 € Jahresumsatz das OSS-Verfahren. Reseller-Plattformen übernehmen die Umsatzsteuer komplett – dafür zahlst du mehr Marge.

Welche Plattform ist die günstigste?

Das hängt von Produkt und Preis ab. Etsy verlangt 6,5 % Transaktionsgebühr plus 4 % + 0,30 € Zahlungsabwicklung, Amazon Handmade pauschal 12 %, eBay kategorieabhängig rund 7–14 % plus feste Gebühr. Der eigene Shop hat keine Provision, aber Fixkosten und Aufwand für Reichweite. Rechne deine Marge mit echten Zahlen durch.

Soll ich auf mehreren Plattformen gleichzeitig verkaufen?

Mehrere Kanäle senken die Abhängigkeit von einer Plattform. Starte aber mit einem Kanal, den du beherrschst, und erweitere erst, wenn Sortiment und Abläufe stehen – sonst wird die Pflege zu aufwendig.

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Quellen

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Hi, ich bin Dagmar

Gründerin von Kassenklingeln, Etsy Expertin und mit akademischem Hintergrund in Betriebswirtschaftslehre. Mit über zwölf Jahren Erfahrung in der Gründung und dem Aufbau eines Labels verstehe ich die Herausforderungen und Freuden der Selbstständigkeit aus erster Hand. Der Erfolg eines Labels ruht auf den drei Säulen Produkt, Marketing und Administration. Auf Kassenklingeln bekommst du praxisnahe Tipps für den nachhaltigen Aufbau deines Business.

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